
Nach mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt bin ich nun in den Genuss einer Reha im schönen Städtchen Ratzeburg gekommen.
Ratzeburg ist leicht zu erreichen indem man sich eine HVV Karte für 9,10€ kauft. Im Preis inbegriffen ist ein Umsteigeaufenthalt im Verkehrsknotenpunkt Büchen. Büchen ist berühmt für sein Tor zur Freiheit.

Freiheit möchte jeder und daher hat Büchen auch 140 Bahnsteige während beispielsweise der Hamburger Hauptbahnhof mit nur 14 Bahnsteigen auskommen muss. Von diesen Bahnsteigen führen Gleise in vier verschieden Himmelsrichtungen. Welcher Zug nun wirklich in die Freiheit führt habe ich noch nicht herausgefunden. Ich nehme immer den Zug in nördliche Richtung und lande dann in Ratzeburg.

Ratzeburg ist international aufgestellt. Wegweiser weisen den Weg in unsere ehemaligen Ostgebiete Königsberg, Danzig, Breslau und Stettin.

Und hoch droben über der Stadt kündet ein von hundertjährigen Linden umkränztes, nach einem Spendenaufruf und Umarmungen des Ratzeburger Bürgermeisters renoviertes Mahnmal vom vergeblichen Ringen um diese weit entfernten Gebiete.

Stadtverwaltung, Heimatbund und die Gassi gehende Nachbarn sprechen von einem Mahnmal, aber wovor mag dort gemahnt werden? Es heisst dort unter anderem: „Wer den Tod im heiligen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland“ und „Lebe droben im Licht oh Vaterland und zähle nicht die Toten. Dir ist Liebes nicht einer zu viel gefallen.“

Auch umweltpolitisch ist die Region ganz vorne. Mülltrennung ist selbstverständlich.


Und was anderswo noch diskutiert wird, hier ist es Realität. Die natürliche Umwelt muss vor den Menschen geschützt werden. Und dort, wo sich Natur und Mensch dennoch einmal näher kommen, ist die Natur mittels Verkehrskegel und Warnschild vor zivilisatorischen Eingriffen zu schützen.

Eine besondere Gefahr bilden dabei natürlich immer die schlimmen Raucher.

Um unsere Natur vor diesen schädlichen Einflüssen zu schützen sind weite Teile der Umgebung als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Als unterstützende Hilfe für uns Stadtbewohner dienen Hinweisschilder, welche uns in eine fremde Erfahrungswelt leiten. Wir können dort lesen:
"Lass deine Augen offen sein,
geschlossen deinen Mund
und wandre still, so werden dir
geheime Dinge kund."

Geheime Dinge werden uns offenbar, wie zum Beispiel die Begegnung mit diesem urplötzlich aus der dichten Laubdecke auftauchenden verwunschenen Wurzelmännlein.

Und weiter heisst es:
"In warmen Frühsommernächten erklingt der melodische Ruf der Rotbauchunken wie ein Glockenklang aus den Gewässern am Rande des Moores."

Und genau hier, an dieser Stelle erklingt der Glockenklang. Allerdings nicht jetzt, da wir gerade November haben.

Dank der Schutzmassnahmen gelingt es den Kormoranen, Ringelnattern, Windelschnecken und rotbäuchigen Unken nicht auszusterben. Und wir Menschen dürfen uns auch weiterhin an ihrem Lebensraum erfreuen.

Angesichts dieses Primats der Natur wirken die in Ratzeburg verbliebenen Zeugnisse der Zivilisation, wie zum Beispiel das sogenannte bürgerliche Eigenheim, dezent und schüchtern. Anders als die protzigen, selbstbewusst aufragenden Bürogebäude der Großstadt duckt sich hier manches Einfamilienhaus in Demut hinter einer stilvollen Naturhecke.




Und es versucht, sich durch aufmontierte Tiermotive, in Einklang mit der Natur zu definieren.


Dabei ganz aktuell: Die Liebe zum erst seit 20 Jahren hierzulande endemisch vorkommenden südamerikanischen Nandu manifestiert sich an der Nordwestwand dieses modernen Wohngebäudes.

Auch hier spiegelt sich die Schönheit der Natur mittels eines unvollendeten Schmetterlings an einer Hauswand.

Wer sich nun fragt, wie ist das denn nun mit der Reha in Ratzeburg.
Den muss ich enttäuschen.
Es lohnt nicht viele Worte zu verlieren.
Sie ist gut, ich fühle mich wohl, muss nicht selber kochen, alle sind nett und jeden Tag wird gewischmoppt. Es gibt da leider gar nichts zu kritisieren. Sie ist daher völlig ungeeignet von mir ausführlich beschrieben zu werden.
Und bald bin ich ja auch wieder bei Euch in der Großstadt.
